Es war einmal eine Souffleuse,
die hieß zum Zweck des Reimes Boese,
war weder neunzig, taub noch stumm,
nicht mal verbuckelt oder dumm,
sie strickte selten einen Strumpf
und hatte ’nen geheimen Trumpf:
Die stillen Künste der Soufflage
empfand sie niemals als Blamage;
sie hatte den Beruf studiert,
war jung und mächtig motiviert
und froh, ein Kastengeist zu sein
und schlief auch nie da unten ein.
Die Welt, die so was nicht verstand,
verhielt sich nicht sehr tolerant...
So mancher Mitmensch tat, als ob
Soufflier’n der lächerlichste Job
auf Erden sei und sagte: „Du
bist viel zu klug und hübsch dazu!“
Sie aber wußte keinen Grund,
warum Souffleusen häßlich und
noch blöd sein sollten obendrein
und pfiff auf Besserwisserei’n.
Doch bald wurd’ ihr erschreckend klar:
Wie ’ne Souffleuse wirklich war,
d’rauf kam es überhaupt nicht an,
es zählte vielmehr nur, was man
sich vorstellte von dieser Dame
- das war für sie nicht g’rad Reklame...
Beim Publikum der Favorit
ist kaum die Frau, die niemand sieht!
Und weil sie so verborgen ist,
passiert’s, daß man sie leicht vergißt:
Sie lebt als Unterweltphantom
mit Hochschulabschluß und Diplom,
trotz aller Qualifikation
bekommt sie einen Hungerlohn
und selten so was wie Applaus
für ihre Müh tagein, tagaus.
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