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Am Anfang war das Wort. Falsch. Am Anfang war der Gedanke, besser, die Erfahrung.
Mein Anfang war Mitte dreißig. Ich befand mich in elftausend Meter Höhe - unter mir das Blau der Karibik und die im Ostwind gebeugten Palmen von Key West.
In einem Erste-Klasse-Sitz ließ sich vorzüglich lesen. Doch die Lektüre war fahrlässig gewählt. Der Bericht einer amerikanischen Trendforscherin über die zehn kommenden Jahre sollte mir die Kurzweil gründlich vermiesen. Von Lebensmittelskandalen, Cocooning und Naturkatastrophen war da die Rede. Anfang der 90er Jahre war das eine abenteuerliche Botschaft. Wir lebten in Wohlstand und fern von jeglicher Gefahr. Trotzdem begann ich über meine Tätigkeit als Marketeer eines global agierenden Unternehmens nachzudenken. Inwieweit trugen ich und meine Tätigkeit zu dieser Entwicklung bei? Angekommen dämmerte ich durch die von Wind und Sonne verwöhnten Tage. Gänzlich vom Meer vereinnahmt, von süßem Zigarrenduft und schwerem Rum vernebelt, döste ich auf dem Stuhl von Ernest im Sloppy Joe's vor mich hin. Durch die Tür gleißte das Blau herein und vereinnahmte mich ganz. Nasty dogs und funky kings meiner geliebten Band aus Texas bereiteten mir eine gänzlich neue Erfahrung zur weihnachtlichen Stunde. Ein paar tausend Kilometer östlich scharten sie sich gerade um den Weihnachtsbaum. Oh du Fröhliche. Der Rum in meinem Schädel begann sich mit der Brandung zu verschwören, meine Sinne tanzten Salsa. Schnell raus hier. Ich stürzte mich kopfüber in das salzige Blau und kotzte mir die Seele aus dem Leib. Im Gegenzug strömten alle Wasser der Karibik in meine Lungen. Mein Auge erblickte eine Muschel, teilnahmslos im Sand eingegraben. Ein paar Tage später reiste ich quer über die Halbinsel Yucatan - vorbei an nackten Kindern, die mit Schweinen im Schlamm spielten. Die Mütter klopften abseits Mais zu Brei. Der Reiseführer hatte vom Paradies gesprochen. Am Strand der Isla de Gozumel beobachtete ich Deutsche und Amerikaner wie sie verschnittenes Dope vertickten. Die mexikanische Polizei scherte das nicht. Im Gegenteil, man musste sich vor ihr in Acht nehmen. Ein Bündel Dollars war der Garant für die Freiheit.
Erlebnisse dieser Art begleiten mich bis heute. Sie sind der Grund für meine Schriftstellerei.
Von Roman Rausch erschienene Titel:
Tiepolos Fehler, Rowohlt 2003
Wolfs Brut, Rowohlt 2004
Die Zeit ist nahe, Rowohlt 2004
Der Gesang der Hölle, Rowohlt 2005
Und ewig seid ihr mein, Rowohlt 2005
Code Freebird, Rowohlt (Dezember) 2006
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